Leistungsbewertung an der Gesamtschule Waldbröl

Die Leistungsbewertung an der Gesamtschule funktioniert anders als an Haupt-, Real- oder Gymnasialschulen — auch wenn am Ende überall dieselben Noten von 1 bis 6 stehen. Diese Seite erklärt, warum das so ist und was das für einzelne Noten in Grund- und Erweiterungskursen bedeutet.

Eine Notenskala, drei Anforderungsniveaus

Nach der Grundschule, in der noch alle Kinder nach demselben Maßstab benotet werden, gehen viele Schüler:innen ins dreigliedrige Schulsystem über. Hauptschule, Realschule und Gymnasium arbeiten dort mit derselben Notenskala von 1 bis 6 — stellen dabei aber unterschiedlich hohe Anforderungen. Eine „3″ am Gymnasium beschreibt deshalb nicht dieselbe Leistung wie eine „3″ an der Hauptschule.

An der Gesamtschule treffen Kinder mit allen drei Anforderungsniveaus aufeinander. Zur Bewertung steht aber ebenfalls nur eine einzige Notenskala von 1 bis 6 zur Verfügung. Die Frage ist also: Wie lässt sich mit dieser einen Skala das deutlich breitere Leistungsspektrum einer Gesamtschule gerecht abbilden?

Warum die Skala nicht einfach „gestreckt“ wird

Eine naheliegende Idee wäre, die Notenskala für die Gesamtschule in die Länge zu ziehen, um das breitere Spektrum abzudecken. Das hätte aber einen unfairen Effekt: Schüler:innen, die an der Hauptschule für eine bestimmte Leistung eine 4 bekämen, würden an der Gesamtschule für dieselbe Leistung nur eine 5 erhalten. Der Hauptschulabschluss wäre für diese Gruppe an der Gesamtschule dadurch schwerer erreichbar als an der Hauptschule selbst — und genau das soll die Gesamtschule als Schule aller Bildungswege nicht.

Die 4 bleibt vergleichbar

Deshalb setzt die Gesamtschule die 4 an derselben Stelle an wie die Hauptschule: Wer die Mindestanforderungen für den Hauptschulabschluss erfüllt, bekommt an beiden Schulformen eine 4 — unabhängig davon, dass die Gesamtschule insgesamt höhere Anforderungen stellt und auch Inhalte auf gymnasialem Niveau vermittelt.

Weil die Gesamt-Anforderungen der Gesamtschule höher liegen als die einer einzelnen Schulform, deckt ihre 4 rechnerisch einen kleineren Anteil der Gesamtanforderungen ab als anderswo — nicht, weil weniger verlangt wird, sondern weil insgesamt mehr verlangt wird.

Die folgende, bewusst vereinfachte Darstellung zeigt das Prinzip: Je höher die Gesamtanforderungen einer Schulform, desto weiter unten liegt die „ausreichend“-Schwelle innerhalb der eigenen Skala.

Grundkurs und Erweiterungskurs

Ab Jahrgang 7 (in einzelnen Fächern schon ab Jahrgang 6) setzt die Fachleistungsdifferenzierung ein: Je nach Leistungsstand werden Schüler:innen in Grundkursen (G) oder Erweiterungskursen (E) unterrichtet. Der Wechsel in den Erweiterungskurs macht die Bewertung dabei spürbar strenger — etwa um eine Note. Welche Note in welchem Kurs für welchen Abschluss ausreicht, zeigt diese Übersicht:

Kurs Note Ausreichend für
Grundkurs (G) 4 Hauptschulabschluss
Grundkurs (G) 2 Übergang in die Oberstufe (Qualifikation)
Erweiterungskurs (E) 4 Fachoberschulreife (Mittlerer Abschluss)
Erweiterungskurs (E) 3 Übergang in die Oberstufe (Qualifikation)

Der Sprung beim Übergang in die Oberstufe

Viele Eltern und Schüler:innen wundern sich, wenn die Noten nach dem Übergang von Jahrgang 10 in die gymnasiale Oberstufe (Jahrgang 11) zunächst schlechter ausfallen. Das ist normal und liegt nicht an nachlassender Leistung, sondern an der erneut verschobenen Messlatte: In der Oberstufe gilt noch einmal ein eigener, höherer Maßstab. Wer in der Sekundarstufe I mit einer 3 im Erweiterungskurs (oder einer 2 im Grundkurs) gerade die Qualifikation für die Oberstufe erreicht hat, startet dort wieder bei einer neuen, strengeren Notenskala.

Die drei Abschlüsse im Überblick

Vereinfacht gilt: Für den Hauptschulabschluss reicht in jedem Fach mindestens eine ausreichende Leistung im Grundkurs-Niveau. Für die Fachoberschulreife (den mittleren Abschluss) müssen mehrere Fächer — insbesondere die Hauptfächer — auf Erweiterungskurs-Niveau mit mindestens ausreichend, einzelne sogar mit mindestens befriedigend abgeschlossen werden. Für die Qualifikation zum Übergang in die Oberstufe gelten noch einmal strengere Mindestnoten in den Erweiterungskursen.

Die genauen Fächer- und Notenkombinationen legt die Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-SI) des Landes NRW fest und können sich ändern. Für die verbindlichen, aktuell gültigen Bedingungen im Einzelfall berät die Abteilungsleitung.

Kurz gesagt: Die Gesamtschule bewertet nicht milder oder strenger als andere Schulformen — sie sorgt mit einer bewusst verschobenen Notenskala dafür, dass ein Hauptschulabschluss bei uns genauso erreichbar bleibt wie an der Hauptschule, während gleichzeitig alle höheren Abschlüsse bis zum Abitur offenstehen.